Geschichte der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission

Die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission wurde im Februar 1972 unter dem Dach der UNESCO-Kommissionen beider Länder gegründet. Sie war lange Zeit einige der wenigen Plattformen des Dialoges zwischen bundesdeutscher und polnischer Gesellschaft. Die Mehrheit der Teilnehmer waren Historiker und Geographen. Daneben wirkten Pädagogen, Didaktiker und Vertreter von Schulbuchverlagen mit.

Die Schulbuchkommission zwischen der Bundesrepublik und Polen war ein früher Versuch, nationale Sichtweisen auf die Geschichte zu überwinden, sowohl konfliktbeladene als auch verbindende Elemente der Geschichte zum Thema zu machen und zu einer gemeinsamen Darstellung zu kommen. Diese wurde den Öffentlichkeiten beider Länder in den 1976 verabschiedeten „Empfehlungen für die Schulbücher der Geschichte und Geographie in der Bundesrepublik Deutschland und in der Volksrepublik Polen“ vorgestellt. Diese waren besonders in der Bundesrepublik lange heftig umstritten. Diese Kontroversen um die Empfehlungen zeigten, unter welch schwierigen zeitgeschichtlichen Rahmenbedingungen die Kommission seinerzeit arbeitete und wie sensibel in den beiden Gesellschaften deutsch-polnische Themen waren.

Die Deutsch-Polnische Schulbuchkommission arbeitet heute unter völlig veränderten Bedingungen. Die Kontakte zwischen beiden Ländern sind intensiver denn je; Deutsche und polnische Wissenschaftler haben vielfältige Foren, um sich zu begegnen und zusammenzuarbeiten. Dennoch bildet die Schulbuchkommission weiterhin eines der am stärksten ausgebauten und von Vertrauen und längjähriger Zusammenarbeit getragenen Wissenschafts-Netzwerkes.

Bereits ab den 1990er Jahren verstärkte die Schulbuchkommission ihre Aktivitäten im Bereich von Unterrichtsmaterialien und gab eine Serie von an Lehrer beider Länder gerichteten Themenbänden heraus.

Bei dem derzeit erarbeiteten „Deutsch-Polnischen Geschichtsbuch“ ist die gemeinsame Schulbuchkommission einer der wichtigsten Akteure.

Schlüsselmomente aus der Geschichte der Kommission

1972: Erste Tagungen in Warschau und Braunschweig: Veröffentlichung von

14 Empfehlungen
17 Empfehlungen

1976: Veröffentlichung der „Empfehlungen“ der Kommission
1977 f.: Jährliche Themenkonferenzen zur Vertiefung der Empfehlungen
1994-1998: Publikationen zu Knotenpunkten der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte
2001: Veröffentlichung der Lehrerhandreichung „Deutschland und Polen im 20. Jahrhundert“
2008: Beginn der Arbeiten an einem gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichtsbuch
2010: Veröffentlichung von „Schulbuch Geschichte. Ein deutsch-polnisches Projekt – Empfehlungen“
2012: 40 Jahre Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission

Ausführlich zur Geschichte der Kommission: Ausstellung „Schulbücher im Fadenkreuz von Wissenschaft und Politik.“