Erklärung der Vorsitzenden der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission der Historiker und Geographen (Brüssel, im Juni 2019)

Die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission begrüßt die Unterstützung der Bundesregierung für die Schaffung eines Ortes des Gedenkens an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung 1939-1945 nachdrücklich. 

Die Kenntnis des Ausmaßes an Willkür und Gewalt, die die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs über die polnische Gesellschaft gebracht haben, ist in der deutschen Gesellschaft ausgesprochen lückenhaft, und es ist absehbar, dass wir mit dem zunehmenden zeitlichen Abstand zum Zweiten Weltkrieg mit einem immer brüchigeren Wissensbestand rechnen müssen. Wir sind daher der Meinung, dass die Etablierung eines Gedenkortes mit der Bereitstellung eines Forums zur Dokumentation, Aufbereitung und Diskussion dieser geschichtlichen Ereignisse einhergehen sollte. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass ein fundiertes Wissen über die historischen Ereignisse und die Fähigkeit zu ihrer reflektierten Einordnung eine unabdingbare Voraussetzung für ein dialogisches und dauerhaftes Erinnern sind. Wir sind bereit, die Errichtung eines solchen Forums wissenschaftlich und didaktisch zu begleiten. 

Für das Präsidium der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission: 

Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg              Prof. dr hab. Robert Traba 

Präsidiumssitzung der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission in Brüssel

Teilnehmende in Brüssel

Von 13. bis 15. Juni 2019 fand die jährliche Präsidiumssitzung der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission statt. Zum ersten Mal in der fast 50-jährigen Geschichte der Kommission geschah dies weder in Deutschland, noch in Polen, sondern im Europa-Büro der Leibniz-Gemeinschaft und im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel. 
Auf dem Programm standen neben der jährlichen Präsidiumssitzung auch Besprechungen zu den aktuellen Arbeiten am gemeinsamen Geschichtsschulbuch "Europa – Unsere Geschichte" und den Strategien seiner Bewerbung in Deutschland, Polen und Europa sowie die Besichtigung der Ausstellung des Hauses der Europäischen Geschichte. Außerdem fand eine Debatte über die Rolle von Museen bei der Vermittlung europäischer Geschichte statt. 
Anlässlich der Präsidiumssitzung fand darüber hinaus ein weiterer Workshop des deutsch-polnischen Arbeitskreises für Lehrerinnen und Lehrer statt, der 2018 an der Kommission eingerichtet wurde. Polnische und deutsche Teilnehmer konnten sich dabei über das Bildungssystem in Polen und Deutschland austauschen und an Entwürfen für Unterrichtseinheiten zum Thema „1939 – Beginn des Zweiten Weltkriegs“ arbeiten. Die Zwischenergebnisse des Workshops wurden bei der abschließenden Diskussion mit den Präsidiumsmitgliedern präsentiert und vertieft. Weitere Workshops für Mitglieder des Arbeitskreises sind im Herbst 2019 in Berlin, Warschau und Danzig geplant. Die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission trägt damit der dringenden Notwenigkeit Rechnung, Experten aus der Schulpraxis in ihre Arbeit stärker einzubinden. Zum anderen entspricht es dem Anliegen der Lehrerinnen und Lehrer, mit ihrem Expertenwissen zur Implementierung und Weiterentwicklung des gemeinsamen Schulbuchs sowie weiterer geplanter digitaler Lehrmittel beizutragen. 

Programm

 

Die Deutsch-Polnische Schulbuchkommission kommt zur Präsidiumssitzung in Brüssel zusammen

Haus der Europäischen Geschichte (European Union 2018 - Source: EP)

Von 13. bis 15. Juni 2019 findet die jährliche Präsidiumssitzung der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission statt. Zum ersten Mal in der fast 50-jährigen Geschichte der Kommission geschieht dies weder in Deutschland, noch in Polen, sondern im Europa-Büro der Leibniz-Gemeinschaft und im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel.

Auf dem Programm stehen neben der jährlichen Präsidiumssitzung auch Besprechungen zu den aktuellen Arbeiten am gemeinsamen Geschichtsschulbuch "Europa – Unsere Geschichte" und seiner Bewerbung in Deutschland, Polen und Europa sowie die Besichtigung der Ausstellung des Hauses der Europäischen Geschichte und eine Debatte über die Rolle von Museen bei der Vermittlung europäischer Geschichte.

Anlässlich der Präsidiumssitzung findet darüber hinaus ein weiterer Workshop des deutsch-polnischen Arbeitskreises für Lehrerinnen und Lehrer, der 2018 an der Kommission eingerichtet wurde. Die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission trägt damit der dringenden Notwenigkeit Rechnung, Experten aus der Schulpraxis in ihre Arbeit stärker einzubinden. Zum anderen entspricht es dem Anliegen der Lehrerinnen und Lehrer, mit ihrem Expertenwissen zur Implementierung und Weiterentwicklung des gemeinsamen Schulbuchs sowie weiterer geplanter digitaler Lehrmittel beizutragen.

Rahmenprogramm

 

Arbeitskreis für Lehrerinnen und Lehrer an der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission erfolgreich gestartet

Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften Berlin

Am 23. und 24.11.2018 fand am Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin ein gemeinsam mit dem Georg-Eckert-Institut ausgerichteter Auftaktworkshop des deutsch-polnischen Arbeitskreises für Lehrerinnen und LehrerKulturelle Diversität, Multiethnizität und Transnationales in Schule, Bildungsmedien und Öffentlichkeit“ statt. Bei der Veranstaltung wurde u.a. über den Umgang mit Heterogenität in der Schul- und Verlagspraxis gesprochen. Denn unterschiedliche Biographien und die zunehmende Pluralisierung der Lebenswelten spiegeln sich längst auch im Klassenzimmer wider. Darauf müssen Bildungsmedien wie Schulbücher angemessen reagieren. Geschichte endet ja nicht an den Grenzen des Nationalstaates. Historische Ereignisse – und die Erinnerung an diese Ereignisse – stehen in einem weiteren, regionalen wie globalen Zusammenhang. In europäischen Migrationsgesellschaften prägen diese vielfältigen Perspektiven auch die Geschichtserzählungen vor Ort. 

Wie sind denn unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven Schülerinnen und Schülern zu erzählen und zu vermitteln? Wie man sie als Teil der deutschen, der polnischen und – last but not least – der europäischen Geschichte didaktisch sichtbar machen kann, lässt sich am Beispiel des international erstellten Geschichtsbuches„Europa. Unsere Geschichte/Europa. Nasza historia” zeigen. Wie wäre denn ein Verständnis von Diversität als Normalfall gesellschaftlicher Entwicklung zu vermitteln? Können dadurch die politischen, historischen und kulturell-religiösen Kompetenzen der SchülerInnen gestärkt werden? An welchen Stellen in „Europa. Unsere Geschichte“ wird das besonders sichtbar? Diese Fragen wurden gemeinsam mit den Mitgliedern des deutsch-polnischen Arbeitskreises für Lehrerinnen und Lehrer erörtert, der nach der diesjährigen Schulbuchkonferenz in Zamość an der Schulbuchkommission eingerichtet wurde.  

„Wir waren Zeugen eines Ereignisses, das eine absolute Ausnahme darstellt. In allen europäischen bilateralen Schulbuchkommissionen, und es gibt davon mehrere, sitzen ausschließlich Wissenschaftler und akademische Didaktiker. Die Lehrerinnen und Lehrer sind gar nicht dabei“, sagte Prof. Dr. Robert Traba, der polnische Vorsitzende der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission, der Deutschen Welle. „Jetzt entstand ein neues Instrument, das den Lehrerinnen und Lehrern die von der Kommission erarbeiteten Inhalte vermitteln wird. Gleichzeitig wird es uns, Wissenschaftler, als eine Graswurzelbewegung mit ihren Ideen aus der pädagogischen Praxis bereichern“, erklärte der Historiker. „Wir möchten, dass die Lehrer aus dem Arbeitskreis auch Unterrichtsentwürfe erstellen, um zu zeigen, wie dieses Schulbuch in der Praxis im Geschichtsunterricht genutzt werden kann“, fügten Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg, der deutsche Vorsitzende der Schulbuchkommission und Prof. Dr. Igor Kąkolewski, Direktor des CBH/PAN in Berlin hinzu.

Der Arbeitskreis wird regelmäßig zusammenkommen, um Ideen zur Implementierung des gemeinsamen Schulbuches auszutauschen und dieses in der Praxis anzuwenden – so etwa im Juni 2019 in Brüssel.

PROGRAMM 

FOTOS

 

Rückblick auf die XXXVII. Fachkonferenz der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission in Zamość (23.-26. Mai 2018)

Zamość (Bild: pixabay)
Zamość (Bild: pixabay)

Von 23. bis 26. Mai 2018 fand in Zamość die XXXVII. Konferenz der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission der Historiker und Geografen z.Th.: „Der Zweite Weltkrieg in der Geschichtsdidaktik in Polen und Deutschland. Wissen, Vermittlung und Darstellungsformen“statt. FachwissenschaftlerInnen, FachdidaktikerInnen und Lehrkräfte aus Deutschland und Polen stellten Unterrichtsmethoden zum Thema des Zweiten Weltkriegs zur Diskussion und tauschten sich über die damit einhergehenden Fragen der didaktischen Vermittlung im Geschichtsunterricht der beiden Länder aus: Welche Themen und Aspekte historischer Bildung haben in diesem Kontext die größte Bedeutung? Stellt der Fokus auf die großen politischen Ereignisse und Kriegshandlungen eine geeignete Herangehensweise dar, um den Zweiten Weltkrieg im Unterricht angemessen zu behandeln? Welche Methoden sollten in der Schulpraxis eingesetzt werden? 

Im Rahmen der Konferenz fand ein deutsch-polnischer Lehrerworkshop statt, bei dem ausgehend von aktuellen Arbeiten am gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichtsbuchprojekt „Europa. Nasza historia / Europa – Unsere Geschichte“ Antworten auf diese Fragen ausgelotet wurden. Die Teilnehmer der Schulbuchkonferenz konnten diese Themen bei zwei landeskundlichen Exkursionen in die Umgebung von Zamość vertiefen, die u.a. nach Biłgoraj, Szczebrzeszyn, Józefów, Sochy, Zwierzyniec und die Gedenkstätte Belżec führten.

Darüber hinaus wurde bei der diesjährigen Präsidiumssitzung der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission beschlossen, einen „Arbeitskreis für Lehrkräfte“ einzurichten. Dem Arbeitskreis können interessierte polnische und deutsche Lehrerinnen und Lehrer beitreten, die  ausgewählte Kapitel des gemeinsamen Schulbuchs im Unterricht erproben wollen. Ihre didaktische Expertise ist im Kontext der Weiterentwicklung und Implementierung des binationalen Schulbuches „Europa. Nasza historia / Europa – Unsere Geschichte“ von großer Bedeutung.

Bei der Schulbuchkonferenz hat die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission Agnieszka Jaczyńska (Zamość) und Mirosław Sielatycki (Warschau) mit dem Maria-Wawrykowa-Preis geehrt. Die Kommission würdigte damit das langjährige Engagement der beiden Preisträger im deutsch-polnischen Schulbuchdialog und besonders ihr Wirken als Multiplikatoren bei der schulischen Vermittlung der Anliegen der Schulbuchkommission.

Veranstalter der Konferenz waren die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission, das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften und das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung.

Gefördert wurde die Konferenz vom Auswärtigen Amt, dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk, von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit und der Stadt Zamość.

PROGRAMM

FOTOS

Nachruf Klaus Zernack (1931-2017)

Foto: GEI-Archiv. Prof. Zernack bei der deutsch-polnischen Schulbuchkonferenz in Szczecin/Stettin (2005).

Die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission der Historiker und Geographen trauert um Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Klaus Zernack (1931-2017). Er war Gründungsmitglied des Präsidiums der Schulbuchkommission (seit 1972), aktiv an ihrer Arbeit über 45 Jahre beteiligt und von 1987 bis 2000 Vorsitzender. Durch seine Konzepte einer Neubewertung der Rolle Preußens („negative Polenpolitik“) für die deutsch-polnischen Beziehungen und einer Beziehungsgeschichte, mit der er spätere modische Ansätze einer „Verflechtungsgeschichte“ und einer „histoire croisée“ vorwegnahm, hat er über Jahrzehnte die Arbeit der Schulbuchkommission geprägt.

Zernack, dessen Familie aus der Neumark stammte und der in Berlin aufwuchs und studierte, war biographisch durch die katastrophale deutsch-polnische Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. Als Mitarbeiter und Schüler von Herbert Ludat erwarb er 1956-1966 in Gießen eine breite Ausbildung der Osteuropäischen Geschichte vom Mittelalter bis zur Zeitgeschichte, die er in der Folge auf Professuren in Frankfurt a.M. (1966-1978), Gießen (1978-1984) und Berlin (1984-1999) einem wachsenden Schülerkreis vermittelte und die in eine große Zahl von akademischen Qualifikationsschriften mündete.

Zentrales Anliegen Zernacks war eine wissenschaftliche deutsch-polnische Annäherung, wobei er in beiden Historiographien zentrale Kompetenzen für eine moderne europäische Geschichte sah. Er legte auf das Erlernen gerade der damals exotischen slawischen Sprachen viel Wert (sein Motto: „Sprachen lernen. Viel lesen. Gründlich nachdenken“) und bemühte sich den nach dem Krieg abgebrochenen deutsch-polnischen Wissenschaftsaustausch zu beleben. Zu diesem Zweck lud er Dutzende von Wissenschaftlern und Doktoranden nach Gießen, Frankfurt und Berlin ein, wo er seit den 1980er Jahren mit der „Historischen Kommission zu Berlin“ und dem „Forschungsschwerpunkt Ostmitteleuropa“ (heute GWZO Leipzig) Institutionen prägte und mitbegründete. Zahlreiche polnische Gelehrte und Historiker wurden durch diese Aufenthalte und Austauschprogramme in ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit geformt.

Klaus Zernack besaß großes Ansehen unter polnischen Wissenschaftlern, was durch zwei Ehrendoktorwürden (Adam Mickiewicz-Universität Poznań 1989, Universität Warschau 1997) zum Ausdruck kam. Seine Arbeiten wurden ins Polnische übersetzt, insbesondere sein Opus Magnum „Polen und Russland. Zwei Wege in der europäischen Geschichte“ (Polska i Rosja: dwie drogi w dziejach Europy. Warszawa 2000) und seine Studien zur preußisch-polnischen Verflechtungsgeschichte (Niemcy – Polska. Z dziejów trudnego dialogu historiograficznego. Poznań 2006) fanden eine breite polnische Rezeption. In seiner Tätigkeit vertrat er dediziert die Idee einer gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichte. Er unterstützte polnische Kollegen in Aufenthalten und Kontakten in Deutschland und griff selbst immer wieder auf innovative Arbeiten polnischer Kollegen, etwa Gerard Labudas oder Benedykt Zientaras, zurück.

Innerhalb der Schulbuchkommission spielte er durch seine fundierten Kenntnisse der polnischen Geschichtsschreibung, seine Liberalität und seine Sensibilität für die polnische Perspektive eine zentrale Vermittlerrolle. Wir betrauern unseren langjährigen akademischen Lehrer, Kollegen und Freund und werden sein Werk fortsetzen.

Europa im Fokus: Ein Geschichtsbuch für Deutschland und Polen

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Die brandenburgische Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, Britta Ernst, und die polnische Ministerin für Nationale Bildung, Anna Zalewska, stellten das Lehrbuch am 20. November 2017 in Kreisau/Krzyżowa gemeinsam vor. (Foto: Marcin Biodrowski)

Ende September ist der zweite Band der gemeinsamen Geschichtsbuchreihe „Europa – Unsere Geschichte“ in Deutschland und Polen erschienen. Der Band rückt Zusammenhänge und Gegensätze geschichtlicher Entwicklungen in Europa und der Welt von der Neuzeit bis 1815 in den Blick und zeigt in neuartiger Weise, wie historische Ereignisse in unseren Gesellschaften erinnert werden.

Schülerinnen und Schüler erarbeiten etwa die Entstehung moderner Verfassungen in den USA, Polen und Frankreich in unmittelbarem Bezug aufeinander. Sie werden so ermuntert, die gemeinsame Geschichte von ungewohnten Standpunkten und anhand neuer Fragen zu durchdringen. Auf diese Weise möchte das Lehrwerk transnationale Perspektiven auf den Lehrstoff eröffnen und den Dialog über Geschichte und Erinnerung befördern.  

Die von den Verlagen Eduversum und WSiP verlegte Schulbuchreihe soll im deutschen und polnischen Geschichtsunterricht in identischer Form, lediglich in unterschiedlichen Sprachfassungen, eingesetzt werden. Bedeutsam ist, dass es sich nicht um ein ergänzendes Unterrichtsmaterial, sondern um ein den Lehrplänen entsprechendes Schulbuch für das Fach Geschichte handelt. Zielgruppe in Deutschland ist die Sekundarstufe I. Die gesamte, auf vier Bände ausgelegte Reihe erscheint bis 2020, ihr erster Band liegt seit Sommer 2016 vor.

Die Einzelbände entstehen in enger Zusammenarbeit zwischen den Verlagen, Autoren, wissenschaftlichen Koordinatoren und Experten für bestimmte Epochen aus beiden Ländern. Die fertigen Kapitel spiegeln das Ergebnis eines langen Prozesses der Diskussion darüber wider, wie eine Perspektive in einem Schulbuch zur Geltung gebracht werden kann, die für unterschiedliche Sichtweisen, Interpretationen und geschichtsdidaktische Zugriffe bei der Darstellung der Vergangenheit sensibilisiert. Unterstützt durch eine Vielzahl von Maßnahmen wie Lehrerfortbildungen wird die Lehrwerkreihe breit in die Schulpraxis beider Länder implementiert werden. Die offizielle Vorstellung von Band 2 fand am 20. November 2017 in der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Krzyżowa/Kreisau statt.

Die wissenschaftliche Koordination des Projekts hat das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung gemeinsam mit dem Zentrum für historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften inne. Gefördert wird es auf deutscher Seite durch die Kultusministerkonferenz unter Federführung des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg sowie das Auswärtige Amt. Polnische Förderer sind das Ministerium für Nationale Bildung, das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten sowie das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe, hinzu kommt die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Das Projekt eines gemeinsamen Geschichtsbuchs profitiert in hohem Maße von den Erfahrungen der seit 1972 arbeitenden deutsch-polnischen Schulbuchkommission, die für ihre Arbeit im Juni 2017 mit dem Viadrina-Preis ausgezeichnet wurde.  

Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission erhält Viadrina-Preis – Festakt am 9. Juni 2017

Foto: Heide Fest
Foto: Heide Fest
Foto: Emmanuelle Hébert

Die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission der Historiker und Geographen wurde am 9. Juni 2017 mit dem Viadrina-Preis ausgezeichnet, der jährlich an Persönlichkeiten vergeben wird, die sich um die deutsch-polnische Verständigung verdient gemacht haben.

An der feierlichen Preisübergabe wurden stellvertretend für die Gemeinsame Schulbuchkommission Prof. Dr. Robert Traba von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin und Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg von der Universität Gießen sowie Mitglieder des Präsidiums der Kommission für ihr langjähriges Engagement geehrt. Dabei wurden vor allem die Verdienste der Kommission gewürdigt, das gemeinsame Geschichtsbuch „Europa. Unsere Geschichte“ für Schulen in Deutschland und Polen zu erarbeiten (polnische Ausgabe erschien bei WSiP, deutsche Ausgabe – beim Verlag Eduversum). Das auf vier Bände angelegte Geschichtsbuch zur europäischen und Globalgeschichte ist mit den jeweiligen Lehrplänen kompatibel und für den regulären Einsatz im Schulunterricht in Deutschland und Polen bestimmt.

Zum Viadrina-Preis:
Seit 1999 verleiht die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) jährlich den mit 5.000 Euro dotierten Viadrina-Preis an Persönlichkeiten, die sich um die deutsch-polnische Verständigung verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen u. a. der Übersetzer Karl Dedecius (1999), der Nobelpreisträger Günter Grass (2001), die polnischen Publizisten Adam Michnik (2000) und Adam Krzemiński (2006) sowie der frühere polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki (2009), Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff (2010), der polnische Komponist Krzysztof Penderecki (2011), der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland a. D. Hans-Dietrich Genscher (2012) und der Bürgerrechtler und Publizist Wolfgang Templin (2015).


Erklärung der Vorsitzenden der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission der Historiker und Geographen

Im Zusammenhang mit der in deutschen Bildungsmedien und Schulbüchern vorkommenden Verwendung von Begriffen wie „polnische Lager“, gar „polnische Konzentrationslager“, erklären wir, dass solche Wendungen grundsätzlich historisch falsch und geschichtsdidaktisch unzulässig sind. Im während des Zweiten Weltkriegs von Deutschen besetzten Polen (1939-1945) gab es ausschließlich deutsche (nationalsozialistische) Konzentrations-, Arbeits- und Vernichtungslager.

Wir fordern die Verlage, in deren Schulbüchern solch eine falsche Behauptung auftauchte, dazu auf:

1)      die fehlerhaften Formulierungen zu korrigieren,

2)      eine einschlägige Erklärung zu veröffentlichen,

3)      für Schüler und Lehrer, die bislang mit dem betreffenden Schulbuch arbeiten, zusätzliche Materialien zu erstellen und zugänglich zu machen, die die Rahmenbedingungen und den Verlauf der deutschen Besatzung in Polen und in Osteuropa während des Zweiten Weltkriegs vermitteln.

Um ähnlichen Vorfällen in Zukunft vorzubeugen, fordern wir deutsche Geschichtslehrer, Historiker, Didaktiker und Verleger dazu auf, fehlerhaften Darstellungen, die derartige grobe Verfälschungen eines wichtigen zeithistorischen Themas bewirken können, entschieden entgegenzutreten.
Wir rufen Schulbuchverlage und Schulbuchautoren dazu auf, die aktuellen „Empfehlungen” der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission anzuwenden, die unter Wahrung des neuesten Forschungsstandes und der Anforderungen der Geschichtsdidaktik in Polen und Deutschland die wichtigsten historischen Fragen behandeln (Schulbuch Geschichte. Ein deutsch-polnisches Projekt – Empfehlungen, Göttingen 2012).

Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg                    Prof. dr hab. Robert Traba


Gedenken: Władysław Markiewicz im Alter von 97 Jahren verstorben

Die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission nimmt Abschied von einem, der die Geschicke der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission wie kein zweiter geprägt hat: Władysław Markiewicz. Dieser ist am 18. Januar 2017 in Warschau im Alter von 97 Jahren verstorben.

Władysław Markiewicz wurde 1920 in Ostrów in Großpolen geboren. 1941 kam er als Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft nach Hessen und im Rahmen eines Bauzugs in die Wiener Neustadt. Ende 1941 wurde er wegen konspirativer Tätigkeiten zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, durch die er unter anderem etwa zwei Jahre im KZ Mauthausen-Gusen inhaftiert war. Nach dessen Befreiung kämpfte er in den polnischen Streitkräften in Italien und England und kehrte 1947 nach Polen zurück.

Nachruf

Erscheinen von Band 1: Ein Geschichtsbuch für Deutschland und Polen

Fotos: Bettina Ausserhofer für GEI

Am 22. Juni 2016 trafen sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, Polens Außenminister Witold Waszczykowski und der brandenburgische Ministerpräsident und Koordinator für deutsch-polnische grenznahe und zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit Dietmar Woidke in Berlin, um den ersten Band eines gemeinsamen Geschichtsbuchs unter dem Titel „Europa – Unsere Geschichte“ vorzustellen.

 „Es ist ein wunderbares Buch geworden, […] das hellhörig macht für Träume und Traumata, mit denen unsere Nachbarn die gemeinsame Geschichte verbinden“, lobte Minister Steinmeier das neue Geschichtslehrwerk bei der feierlichen Vorstellung in der Robert-Jungk-Oberschule. „Ein Buch, das hoffentlich hilft, einen gemeinsamen deutsch-polnischen Blick auf diese Geschichte zu entwickeln“. Minister Waszczykowski sagte, es werde den jungen Menschen ermöglichen, die historische Sensibilität der Nachbarn besser zu verstehen, den Dialog erleichtern, Stereotype überwinden helfen und größere Toleranz lehren.

Die Schulbuchreihe wird von den Verlagen Eduversum und WSiP verlegt. Herausgegeben wird sie von der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission, in Kooperation mit dem Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig und dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Band 1 soll ab dem Schuljahr 2016/17 im deutschen und polnischen Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I in identischer Form, lediglich in unterschiedlichen Sprachfassungen, eingesetzt werden. Bedeutsam ist, dass es sich nicht um ein Zusatzmaterial, sondern um ein Schulbuch zur Geschichte Europas handelt, das den Lehrplänen entspricht.

Band 1, der nach vier Jahren intensiver Arbeit nunmehr vorgelegt werden kann und der der Auftakt einer vierbändigen Schulbuchreihe sein soll, ist ein deutsch-polnisches Gemeinschaftsprodukt auf verschiedenen Ebenen: Er entstand in enger Zusammenarbeit zwischen den Verlagen, Autoren, wissenschaftlichen Koordinatoren und Experten für bestimmte Epochen aus beiden Ländern, hauptsächlich aus den Reihen der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission. Unterstützt durch eine Vielzahl von Maßnahmen wie Lehrerfortbildungen soll das Buch nunmehr breit in die Schulpraxis beider Länder implementiert werden.

Das Programm der Veranstaltung vom 22.6.2016 finden Sie hier zum Download.